Klinik für Wirbelsäulenchirurgie

Ursachen

Bei Infektionen der Wirbelsäule können die Bandscheiben und die Wirbelkörper betroffen sein. Man spricht dann von einer Spondylodiscitis. Es handelt sich hierbei um eine meist auf dem Blutweg (hämatogene) Streuung beruhende eitrige bakterielle Infektion der Bandscheibe und der angrenzenden Wirbel. Die häufigsten Keime in unseren Breitengraden sind dabei Staphyloccocus aureus (30-80%) und Staphyloccocus epidermidis (die bei vielen Patienten als normale Hautbakterien vorkommen), seltener Streptococcen, Salmonellen und Brucellen.
Die seltenen nichtbakterielle Infektionen werden durch Pilze und Parasiten verursacht.
Bei einer rein auf den Wirbelkörper beschränkten Infektion spricht man von einer Spondylitis. Der bekannteste Vertreter hierfür ist die Knochentuberkulose. Diese tritt im Rahmen der Migrationsbewegungen in Deutschland wieder häufiger auf.
Eintrittspforte für die Keime sind urogenitale Entzündungen, Eiterungen an den Zähnen, Eiterungen an eingewachsenen Zehennägeln, akute und chronische Wunden, aber auch ärztlich verursacht durch Operationen oder Injektionsbehandlungen. Besonders gefährdet sind dabei Patienten mit Immunschwäche, Diabetes mellitus, Tumoren, chronischem Nierenversagen, rheumatoiden Erkrankungen, Leberzirrhose und höherem Lebensalter.

Symptome

Die Erkrankung beginnt meist mit eher unspezifischen Beschwerden. Häufig klagen die Betroffenen über Rückenschmerzen und allgemeine Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust.
Das Hauptsymptom der Erkrankung ist dann der heftige Rückenschmerz im Sinne von Instabilitätsschmerzen bei Stauchung der Wirbelsäule, Drehbewegungen im Liegen und Wiederaufrichten aus gebückter Haltung.
Bei weiter fortgeschrittenen Erkrankungen kommt es häufig zu Vereiterungen der an die Wirbelsäule angrenzenden Muskulatur oder des Rückenmarkkanals (Spinalkanal). Als zusätzliche Symptome können dann hohes Fieber, Anstieg der Entzündungswerte bei der Blutuntersuchung und sogar neurologische Ausfälle auftreten.

Diagnostik und Therapie:

Zunächst erfolgt eine ausführliche klinische und neurologische Untersuchung und Befragung des Patienten, in der Risikofaktoren und eine mögliche Ursache der Erkrankung gefunden werden sollen. Anschließend werden im Labor zunächst die Entzündungswerte bestimmt. Als bildgebende Verfahren stehen Röntgendiagnostik für den unspezifischen Rückenschmerz, die Kernspintomographie (MRT) als Methode der Wahl für die Spondylodiscitis und die Computertomographie (CT) zur Beurteilung einer möglichen Knochendestruktion zur Verfügung.
Bei nachgewiesener Entzündung erfolgt eine Keimgewinnung über eine Blutkultur oder eine CT gestützte Punktion der infizierten Bandscheibe oder des Umgebungsgewebes.
Bei früh erkannten geringer ausgeprägten Erkrankungen ist häufig ein konservatives Vorgehen möglich. Hierbei wird der Patient in Abhängigkeit von seinen Schmerzen und den Laborwerten mit einer Orthese versorgt oder vorübergehend immobilisiert.
Anschließend erfolgt eine gezielte Antibiotikabehandlung für 10-14 Tage intravenös und für insgesamt sechs Wochen in Tablettenform. Dies kann dann bereits ambulant erfolgen und wird mit regelmäßigen Laborkontrollen überwacht.
Bei Abzessbildung mit Ausschwemmung der Keime in die Blutbahn (Sepsis), bei neurologischen Ausfällen aufgrund von Vereiterung des Spinalkanals oder Fortschreiten der Entzündung mit größerer Zerstörung der Wirbelsäule, ist in der Regel eine operative Therapie erforderlich. Hierbei werden die Entzündungsherde ausgeräumt. Manchmal ist aufgrund der Ausprägung und Lokalisation des Entzündungsherdes ein kombiniertes Vorgehen mit zwei Operationen (von vorn und von hinten) notwendig. Bei Bedarf wird die Wirbelsäule mit Schrauben, Platten und Stäben aus Titan stabilisiert.



    

Abb. 1 MRT der LWS: Spondylodiscitis mit Destruktion der Lendenwirbelkörper (LWK) 2 und 3 und „leuchtenden Bandscheiben in den unteren Segmenten
Abb. 2 CT der LWS: ausgedehnte knöcherne Destruktion von LWK 2, 3 und beginnend auch LWK 4 und 5

 

   

Abb 3 MRT der BWS: Knochentuberkulose unter Aussparung der Bandscheiben
Abb 4 MRT der BWS: Einbruch der Infektion in den Spinalkanal mit Kompression des Rückenmarks (Pfeil)

Unsere Leistungen:

Erfahrene und gut ausgebildete Behandlungsteams bestehend aus Operateuren, Anästhesisten und Fachpflegekräften sowie Physiotherapeuten und Schmerztherapeuten

Konservative Therapie:

Schmerzbehandlung auch mit Infiltrationstherapie (PRT, Facettinfiltrationen, EDT), Orthesenversorgung, Krankengymnastik, gezielte Antibiotikatherapie

Operative Therapie:

Minimalinvasive Operationen unter dem OP-Mikroskop und endoskopische Operationen mit einem Höchstmaß an Präzision und Sicherheit dank modernster Technik (Neuromonitoring, Mikroskop, Endoskop, Navigationssysteme, etc.)
Stabilisierende Verfahren, bei denen z. B. mit einem Schrauben-Stabsystem oder einem Platten-Schraubensystem mehrere Wirbelsäulensegmente operativ verbunden werden Dekompressionsoperationen, bei denen durch Entfernung knöcherner oder bindegewebiger Strukturen Platz für das eingeengte Rückenmark und/oder eingeengte Spinalnerven geschaffen wird Minimalinvasive Stabilisierung an der Wirbelsäule durch Vertebroplastie, d. h. Zementauffüllung des Wirbelkörpers, und Kyphoplastie, bei der vor dem Einspritzen des Zements durch einen Ballon im Wirbelkörper ein Hohlraum geschaffen wird. Durch die Ausdehnung des Ballons und Einspritzung des Zements kann die ursprüngliche Wirbelkörperhöhe häufig wiederhergestellt und einer Deformation entgegengewirkt werden.

 

   


Abb 5 Rö BWS von vorne: Stabilisierung von dorsal (hinten) und Wirbelkörperersatz von ventral (vorne)
Abb 6 Rö BWS seitlich: