Evangelisches Krankenhaus Oldenburg

„Patient Blood Management“ hilft beim Umgang mit Blut als wertvoller Ressource

 

Weniger Transfusionen – Mehrwert für Patienten:
Vortrag erläutert erfolgreiches Behandlungskonzept

 

files/evangelischeskrankenhaus/img/00_userimg/allgemein/EV_PatientBloodManagement_2.jpgWelche Alternativen gibt es zu Blut-Transfusionen? Priv.-Doz. Dr. med. Christian Hönemann vom St. Marienhospital Vechta (li.) referierte Anfang Januar im Kulturzentrum PFL in Oldenburg zum Thema „Patient Blood Management.“ Eingeladen hatte die Transfusionskommission des Evangelischen Krankenhauses Oldenburg unter Leitung von Wolfgang Ellerbeck, Oberarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin.

 

Im Notfall sind sie unverzichtbar: Blutkonserven können Leben retten. Doch die Zahl der Blutspenden ist begrenzt, und eine Transfusion birgt immer auch Risiken. Das Evangelische Krankenhaus Oldenburg stellte deshalb ein modernes Behandlungskonzept vor: „Patient Blood Management – Alternativen zur Transfusion“ lautete der Vortrag im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung für Mediziner am 8. Januar 2014 im Kulturzentrum PFL in Oldenburg. Sie richtete sich an die Ärzte in den Krankenhäusern der Region sowie an niedergelassene Ärzte, die Patienten vor Operationen behandeln oder Operationen ausführen. Priv.-Doz. Dr. med. Christian Hönemann, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin aus dem St. Marienhospital in Vechta war Referent der Fortbildung und berichtete auf Einladung der Transfusionskommission des „Evangelischen“ über Ergebnisse und seine Erfahrungen mit diesem modernen Konzept.

Das „Patient Blood Management“ strebt eine Vermeidung von Transfusionen an – soweit das möglich ist –, wo man bisher häufig mit Transfusionen behandelt hat. Dadurch lässt sich das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen und Spätfolgen für den Patienten erheblich senken. Das Konzept wird seit 2012 auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO unterstützt.

Vor allem bei größeren Operationen werden häufig Bluttransfusionen verabreicht, um den Blutverlust durch die Operation auszugleichen und den Blutkreislauf stabil zu halten. In Bezug auf z.B. die Übertragung von Infektionskrankheiten sind Blutkonserven heutzutage zwar sehr sicher: Blutspender werden entsprechend gesetzlicher Vorschriften vor der Spende auf mögliche Infektionen und Infektionsrisiken befragt, und Bluttkonserven selbst auf Infektionserreger wie Hepatitis B und C oder HIV (AIDS-Virus) getestet und betroffene Konserven ausgesondert. „In den letzten Jahren haben aber viele große medizinische Studien gezeigt, dass mit den Transfusionen weitere Risiken verbunden sind“, erläutert Dr. Hönemann. „So können nach Operationen vermehrt Wundinfektionen oder Lungenentzündungen auftreten, und auch die Rate an Thrombosen, Herzinfarkten und Nierenversagen kann ansteigen.“

Eine internationale Arbeitsgruppe von Ärzten hat deshalb mit Unterstützung der WHO das Konzept mit dem Namen Patient Blood Management entwickelt, um Transfusionen dort zu vermeiden, wo andere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. „Dadurch verringern wir das Risiko für den Patienten insgesamt und vor allem dort, wo bei geplanten größeren Operationen genügend Zeit für Untersuchungen und Behandlungen zur Verfügung steht“, so Dr. Hönemann weiter.

So wird im Idealfall der Patient bereits vier Wochen vor der Operation auf eine mögliche Blutarmut (Anämie) untersucht. Wenn sich herausstellt, dass keine Anämie vorliegt, kann der Patient ohne weitere Vorbereitung operiert werden. Wird jedoch eine Anämie festgestellt, sucht man nach der zu Grunde liegenden Ursache. Am häufigsten ist ein bis dahin unerkannter Eisenmangel, weniger häufig sind Nierenerkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen, chronische Entzündungen oder ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure. Ist die Ursache gefunden, wird sie zum Beispiel mit der Gabe von Eisen-Tabletten behandelt. So kann der Körper bis zur Operation mehr eigenes Blut neu bilden, und das Risiko, dass der Patient bei der Operation überhaupt Bluttransfusionen benötigt, wird deutlich gesenkt.

„Als weitere Maßnahme kann man besonders blutsparende Operationstechniken anwenden“, so Dr. Hönemann weiter, „und auch die Blutstillung durch Verbesserung der körpereigenen Gerinnung spielt eine große Rolle“. Darüber hinaus kann Wundblut bei größeren Blutverlusten aufgefangen, gewaschen und dem Patient als Infusion zurückgegeben werden. So lässt sich der gesamte Blutverlust bei Operationen weiter verringern.

Wie wichtig es ist, sich mit „Patient Blood Management“ zu befassen, zeigt noch ein anderer Aspekt: Weil große Operationen und Anämien im höheren Lebensalter zunehmen, benötigen gerade ältere Menschen häufiger Bluttransfusionen. Andererseits weisen Blutspender eher ein jüngeres Durchschnittsalter auf. Durch den demografischen Wandel in Deutschland wird der Bedarf an Bluttransfusionen also zu-, die Zahl der möglichen Blutspender aber abnehmen. Dieser Effekt kann in der Zukunft zu einer Verknappung von Blutkonserven führen. Auch deshalb müssen Alternativen zur Transfusion gefunden werden.

Die Transfusionskommission im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg unter Leitung des Transfusionsverantwortlichen Wolfgang Ellerbeck, Oberarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin, hat diese Herausforderung erkannt: „Wir möchten mit dieser Fortbildungsveranstaltung neue Impulse zur Einsparung von Fremdblut setzen, besonders in der operativen Medizin“, so Ellerbeck. „Auch im ‚Evangelischen’ ist Patient Blood Management ein wichtiges Thema, umso mehr, weil die Anwendung des Konzepts zum Wohl unserer Patienten beiträgt.“