Evangelisches Krankenhaus Oldenburg

Informationen zur Geburt im EV

Die Geburt ist ein bedeutendes Erlebnis. Wir möchten, dass Sie als werdende Eltern die Geburt Ihres Kindes gut vorbereitet und bewusst in entspannter und geschützter Atmosphäre erleben können. Dafür bieten wir Ihnen eine ganzheitliche und individuelle Betreuung mit größtmöglicher medizinischer Sicherheit. In modernen Kreißsälen mit Wohlfühlatmosphäre, breiten bequemen Betten, Tuch als punctum fixum und Gebärwanne stehen vielfältige Angebote inklusive eines Kaiserschnittoperationssaales rund um die Uhr zur Verfügung.

Unser Hebammen-Ärzte-Team betreut Sie und Ihr Kind individuell. Größtmögliches Wohlbefinden und medizinische Sicherheit werden gewährleistet durch eine bedarfsorientierte Schmerztherapie, Kardiotokographie mit Telemetrie und Sonographie sowie alternative Behandlungsmethoden wie Homöopathie und Akupunktur.

Hier auf diesen Seiten können wir auf spezielle Probleme nur sehr kurz eingehen.

Kontakt

Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe

Evangelisches Krankenhaus Oldenburg - Universität Oldenburg
Steinweg 13-17
26122 Oldenburg

Telefon: 0441 / 236-251
Fax: 0441 / 236-927
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Dr. med. Hansjörg Augenstein

Chefarzt
Dr. med. Hansjörg Augenstein

Leitung Pflege Frauenklinik
Frank Zimmermann

Beckenendlage und Entbindungsalternativen

Allgemeines zur Beckenendlage (BEL)
Im Verlauf der Schwangerschaft drehen sich die Kinder mehrmals spontan im Mutterleib, wobei sich die meisten Kinder ab der 35. Schwangerschaftswoche in einer Schädellage befinden. In etwa 5% aller Fälle kommt es allerdings zu einer weiterhin bestehenden Beckenend- oder Steißlage. Auch aus dieser Lage können Babys ganz normal durch die Scheide geboren werden, wenn auch viele Kliniken in Deutschland in einem solchen Falle einen geplanten Kaiserschnitt vor Beginn der Wehentätigkeit (primärer Kaiserschnitt) durchführen. Wir möchten Ihnen im Folgenden die verschiedenen Alternativen des Entbindungsweges darstellen, welche in unserer Abteilung auf dem Boden langjähriger Erfahrung mit großem Erfolg durchgeführt werden:

Die vaginale Entbindung aus Beckenendlage
In weltweit durchgeführten, aktuellen Studien konnte gezeigt werden, dass eine vaginale Geburt aus Beckenendlage unter Beachtung spezieller Auswahlkriterien und Sicherheitsmaßnahmen nicht zu einem höheren Risiko für das Kind führt. Allerdings liegt das mütterliche Risiko, Komplikationen zu erleiden, bei einer Kaiserschnittentbindung etwa 3mal höher als bei einer vaginalen Entbindung. Entscheidend für die Sicherheit Ihres Kindes ist dabei ein erfahrenes Team – deshalb ist bei Geburten bei Beckenendlage immer ein darin erfahrener Facharzt (Ober- oder Chefarzt) anwesend. Wenn Sie bereits ein Kind etwa der gleichen Größe geboren haben, spricht wahrscheinlich nichts gegen eine vaginale Entbindung, aber auch beim ersten Kind können Sie auf normalem Wege entbinden, wenn Risikofaktoren ausgeschlossen sind.

Übrigens empfehlen wir Ihnen auch zur Geburt aus Beckenendlage eine vertikale Position (am besten den sogenannten Vierfüßlerstand) statt der lange Jahre durchgeführten Entbindung in Rückenlage mit angehobenen Beinen, da der natürliche Ablauf dadurch viel besser unterstützt wird und weniger Komplikationen zu verzeichnen sind. Bevor wir eine natürliche Geburt aus Beckenendlage durchführen, bitten wir Sie jedoch sich bei uns vorzustellen um Ultraschall und eine Beckenaustastung durchführen zu können und alle Ihre Fragen in einem ausführlichen Gespräch klären zu können.

Alternativmedizinische Methoden zur Wendungsunterstützung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Unterstützung der spontanen Wendungen aus Beckenendlage in Schädellage auf dem Boden der Alternativmedizin. Hierzu gehören unter anderem die Akupunktur, die Akupressur und Haptonomie, die Homöopathie, die Indische Brücke, die Knie-Ellenbogenlage, die Moxibustion und viele andere. Da sich diese Behandlungen über eine gewisse Zeitspanne erstrecken und im Wesentlichen dazu dienen, die spontane Drehung der Kinder zu stimulieren, werden sie in einem Zeitraum bereits ab der 34. Schwangerschaftswoche eingesetzt und meistens von Hebammen durchgeführt oder angeleitet. Weitere Informationen erhalten Sie durch Ihre betreuende Frauenärztin und Hebamme oder auch durch unser geburtshilfliches Team.

Äußere Wendung
Die Äußere Wendung ist eine Methode, bei der versucht wird, durch Lagerung, Gebärmutterentspannung und Ausübung eines sanften Drucks von außen durch die Bauchdecken der Mutter hindurch das Kind in eine regelrechte Schädellage zu wenden. Der geeignete Zeitpunkt für eine Äußere Wendung ist in der Regel in der 37. / 38. Schwangerschaftswoche, kann aber manchmal auch noch später durchgeführt werden. Ob für Sie und Ihr Kind eine Äußere Wendung geeignet ist, würden wir im Rahmen einer ambulanten Vorstellung durch ein ausführliches Gespräch mit Ultraschalluntersuchung klären. Die Möglichkeit und die Erfolgsaussichten einer äußeren Wendung hängen unter anderem von der genauen Lage und Größe des Kindes, seiner Beweglichkeit, der Fruchtwassermenge, des Plazentasitzes und einiger anderer, hier nicht genannter Faktoren ab.

Wir führen die Äußere Wendung so durch, dass es für Sie ohne Narkose auszuhalten geht und für Ihr Baby kein Risiko besteht. Dazu gehört natürlich auch die Überwachung durch CTG und Ultraschall bis zum nächsten Morgen, mindestens aber für einige Stunden nach der Wendung, auch wenn sie nicht geklappt hat. Unsere Erfolgsrate liegt abhängig von der Ausgangssituation bei etwa 60%. Schwerwiegende Risiken (Plazentalösung, Nabelschnurkomplikationen) liegen unter Berücksichtigung der Sicherheitsfaktoren unter 1% und damit deutlich niedriger als bei einem Kaiserschnitt: In erfahrenen Händen ist die Äußere Wendung also eine sehr geeignete Methode, ohne Risikoerhöhung für Mutter und Kind eine natürliche vaginale Geburt aus Schädellage zu ermöglichen.

Kaiserschnittentbindung (Sectio caesarea)
Eine Entbindung durch Kaiserschnitt ist heutzutage ein komplikationsarmer Eingriff für Mutter und Kind, auch wenn Komplikationen bei der Mutter (z.B. Thrombosen, Wund-heilungsstörungen) häufiger sind als nach natürlichen Geburten. Auch die Kinder haben manchmal anfangs noch leichte Anpassungsstörungen, da sie nicht durch den Geburtsprozess vorbereitet sind. Bei fehlenden Voraussetzungen für eine äußere Wendung oder eine vaginale Beckenendlagengeburt ist ein Kaiserschnitt die einzig mögliche Entbindungsmethode und wie bei jeder normalen Schädellagengeburt kann sich auch bei einer ursprünglich vaginal geplanten Beckenendlagengeburt aus dem Geburtsverlauf ein Grund für das Umschalten auf eine Kaiserschnittentbindung ergeben, z. B. schlechte Herztöne oder ein zögerlicher Geburtsfortschritt. Wir sind jederzeit bereit, innerhalb von Minuten einen Kaiserschnitt durchzuführen.


Viele Frauen fühlen sich wohler, wenn ihr Kind aus Beckenendlage durch Kaiserschnitt entbunden wird. Wenn es Ihnen auch so geht, bitten wir Sie, sich etwa 3-4 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bei uns vorzustellen, um individuelle Fragen und einen Termin besprechen zu können. Der Kaiserschnitt wird in unserer Abteilung seit vielen Jahren als sogenannter „ sanfter Kaiserschnitt“ in der Methode nach Misgav-Ladach durchgeführt. Der Vorteil dieser Methode ist eine schnellere Mobilisierung und deutlich geringere Beschwerden nach der Operation.

Diabetes und Schwangerschaft

Ein Diabetes (Zuckererkrankung) kann schon vor der Schwangerschaft bestehen und wird dann meistens schon vor und natürlich in der Schwangerschaft mit Insulin behandelt. Er kann aber auch in der Schwangerschaft auftreten und wird durch einen Zuckerbelastungstest festgestellt, der im Rahmen der Vorsorge zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird. Dann wird Ihr Frauenarzt einen Diabetologen in die weitere Betreuung der Schwangerschaft einbeziehen. Beratung zu einer bedarfsgerechten Ernährung, Blutzuckerselbstmessung und eventuell auch eine Insulinbehandlung sind dann angesagt.

Es geht darum, dass nicht zuviel Zucker beim Kind ankommt, was Probleme mit sich bringen würde: Erstens würde das Kind dann zu dick werden und übermäßig viel Fruchtwasser schwimmen, wobei die Organe trotzdem nicht so schnell ausreifen - in der Folge drohen erschwerte Geburten und Überlastungen des Kindes unter der Geburt. Zweitens sind die Kinder dann soviel Zuckerzufuhr im Mutterleib gewöhnt, dass sie nach der Geburt und nach Kappung der Nabelschnur-Pipeline Gefahr laufen zu unterzuckern. Deshalb ist eine gute Zuckereinstellung in der Schwangerschaft notwendig.

Sollte bei Ihnen ein Diabetes bestehen und Sie wollen bei uns entbinden, bitten wir Sie sich etwa 4 - 6 Wochen vor dem errechneten Termin in unserer Sprechstunde vorzustellen. Wir werden dann mit Ihnen Ihre Werte durchgehen, Ihr Kind im Ultraschall ansehen und mit Ihnen beraten, wie und wann die Geburt am besten vonstatten gehen kann: Weil zum Ende der Schwangerschaft bei Müttern mit Diabetes der Mutterkuchen eher schlapp macht, empfiehlt man meistens eine Geburtseinleitung um den errechneten Termin herum. Bei schlechter Diabeteseinstellung kann auch eine Entbindung im Perinatalzentrum im Klinikum Oldenburg angezeigt sein, da Ihr Kind dann evtl. Zuckerinfusionen nach der Geburt benötigt und es nicht ausreicht, es sofort nach der Geburt an die Brust anzulegen oder auch etwas Milch aus der Flasche zu geben. Wenn aber alles o.k. ist sind wir uns mit den betreuenden Kinderärzten vom Perinatalzentrum einig, dass Ihr Kind genausogut im "EV" geboren werden kann.

 

 

Zwillingsgeburt

Zwillinge wachsen zusammen im Mutterleib auf. Es gibt zweieiige Zwillinge, die miteinander so verwandt wie Geschwister sind, und eineiige Zwillinge, die genetisch identisch sind. Während jedes der 2-eiigen Zwillinge seine eigene Fruchthöhle und seinen eigenen Mutterkuchen hat, nutzen 1-eiige Zwillinge diese manchmal gemeinsam – haben oft aber auch jeder seine eigenen. Dies ist wichtig für den Schwangerschaftsverlauf und die Geburt und wird am sichersten bereits in der Frühschwangerschaft per Ultraschall festgestellt. Achten Sie also darauf, dass ein Bild oder ein entsprechender Vermerk im Mutterpass vorhanden ist. Die Geburt von Zwillingen sind eigentlich 2 Geburten hintereinander her. Dabei gilt es einige Besonderheiten zu beachten:

  • Eineiige Zwillinge mit einer gemeinsamen Fruchthöhle sollten wg. der Gefahr der Nabelschnurverwicklung bereits etwa in der 36. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt entbunden werden.
  • Für die Geburtsart ist die Lage des ersten Zwillings ausschlaggebend: Er sollte sich für eine Spontanentbindung in Schädellage befinden, auch aus Beckenendlage ist sie prinzipiell möglich, aber mit Risiken verbunden während eine vaginale Entbindung aus Querlage verständlicherweise unmöglich ist. Da sich die Lage des 2. Zwillings erst nach der Geburt des Geschwisterkindes einstellt und auch leicht in eine Längslage manipuliert werden kann, spielt die Lage des 2. Kindes vor der Geburt keine große Rolle.
  • Beide Zwillinge sollten für eine Spontangeburt etwa gleich schwer geschätzt sein, d.h. nach Ultraschallmessung sich um nicht mehr als etwa 500 g voneinander unterscheiden. Bei einem größeren Unterschied besteht der Verdacht auf eine mangelhafte Versorgung beider Kinder(eins wird überlastet, eins unterversorgt). Das kann zu Problemen im normalen Geburtsablauf führen.
  • Da der bzw. die beiden Mutterkuchen die Zwillinge zum Ende der Schwangerschaft möglicherweise nicht mehr ausreichend versorgen, empfehlen wir im Einklang mit den entsprechenden Leitlinien, eine Zwillingsgeburt spätestens nach 38. Schwangerschaftswochen in Gang zu bringen.
  • Bei der Geburt von Zwillingen ist ein Team aus 2 erfahrenen Ärzten und mindestens einer Hebamme anwesend.

Wir unterstützen spontane Zwillingsgeburten sehr und bitten Sie sich bei einer geplanten Zwillingsgeburt spätestens 4 – 6 Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin (gerne auch bereits früher) in unserer Schwangerensprechstunde vorzustellen, um die konkrete Situation beurteilen und mit Ihnen besprechen zu können.

Geburtseinleitung

Was die Geburt in Gange bringt, ist bis heute ein Geheimnis der Natur: Wohl ein knappes Dutzend Hormone und Enzyme von Mutter und Kind und auch die Psyche spielen beim natürlichen Countdown eine Rolle, wohl abgestimmt auf eine möglichst harmonisch und zügig ablaufende Geburt. Es gibt trotzdem manchmal Gründe, die Geburt vorzuverlegen, also vor dem natürlichen Beginn einzuleiten: Z. B. ein sich verschlechternder Bluthochdruck, Überschreitung des errechneten Geburtstermins um mehr als 1 - 2 Wochen, bei großem Kind um einem übermäßigen Wachstum bis zum errechneten Termin zuvorzukommen, starke mütterliche Schmerzen usw..

Uns stehen aber aus dem Sortiment der Natur nur das Prostaglandin zur Vorbereitung des Muttermunds und das Hormon Oytocin zur Wehenanregung zur Verfügung, wenn wir uns nicht auf homöopathische oder pflanzliche Mittel („Wehencocktail“) beschränken, um Ihrem Baby etwas auf die Sprünge zu helfen.

Je nach Geburtsbereitschaft kann es dann schnell oder aber auch erst nach einigen Tagen richtig mit der Geburt losgehen! Daher überlegen wir zusammen mit Ihnen eine Einleitung der Geburt immer sehr sorgfältig und haben auch ein Informationsblatt, das wir hier hoffentlich bald auch zum Herunterladen einstellen können!

Terminüberschreitung

Erstmal ruhig bleiben: Nur 4% aller Kinder kommen direkt am errechneten Geburtstermin, der im Mutterpass eingetragen ist. Die anderen 96% kommen eben vorher oder einige Tage später. Das ist ganz normal, da dieser Tag eine Durchschnittsberechnung darstellt.

Allerdings solte man ab dem erreichten Termin schon etwas genauer hinschauen: Wenn Sie die Bewegungen Ihres Kindes weiterhin ganz normal und regelmäßig spüren ist sicher alles in Ordnung, auch wenn die Heftigkeit wegen zuhehmenden Platzmangels vielleicht etwas abnimmt.

Zusätzliche Sicherheit verschafft die Beurteilung der Fruchtwassermenge mittels Ultraschall in regelmäßigen Abständen, auch die Aufzeichnung der Herztöne (CTG) und die Untersuchung des Blutflusses in den Nabelschnurgefäßen (Dopplersonografie) geben Hinweise auf das Befinden des Kindes. Diese Kontrollen führen wir auch am Wochenende durch, wenn die Praxis Ihres Frauenarztes geschlossen ist.

Wenn Ihr Kind sich um mehr als eine bis maximal 2 Wochen verspätet, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem der Mutterkuchen Ihr Kind besonders unter Wehenbelastung nicht mehr ausreichend versorgt und wir Ihnen empfehlen, dem Kind etwas auf die Sprünge zu helfen: Vor einer Einleitung der Geburt überprüfen wir auch nochmal den errechneten Geburtstermin anhand der Sonografie aus der Frühschwangerschaft, tasten den Muttermund ab und besprechen mit Ihnen das genaue Vorgehen. Der Link zum "Infoblatt Terminüberschreitung" folgt noch.