Liverpool Care Pathway
ein Behandlungspfad zur Betreuung sterbender Patienten im Krankenhaus
Die Behandlung und Begleitung sterbender Patienten im Krankenhaus stellt hohe Anforderungen an die betreuenden Ärzte und Pflegenden. Der Umgang mit Sterben und Tod löst oft große Unsicherheit, Berührungsängste und ein Gefühl der Hilflosigkeit aus. Der „Liverpool Care Pathway (LCP)“ beschreibt einen Behandlungspfad für die Betreuung sterbender Patienten und deren Angehörigen. Er bietet dem betreuenden Team praxisnahe Hilfestellungen für eine bestmögliche Begleitung des Patienten.
Der Liverpool Care Pathway wurde im Jahr 2000 von der Royal Liverpool University und dem Marie Curie Center Liverpool entwickelt. In Großbritannien ist der LCP inzwischen weit verbreitet und zum Standard in britischen Krankenhäusern geworden. Die Arbeitsgruppe um Dr. med. S. Eychmüller im Kantonsspital Sankt Gallen hat den LCP 2006 in die deutsche Sprache übersetzt und mit Erfolg in der Schweiz implementiert. Im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg wurde der „Liverpool Care Pathway“ erstmalig in Deutschland eingeführt und im Rahmen eines europaweiten Projekts erste Erfahrungen gesammelt.
Der LCP bietet einem Behandlungspfad entsprechend eine ganz praxisnahe Anleitung für die verschiedenen Aspekte der Betreuung von Patienten in der Sterbephase. Neben medizinischen und pflegerischen Entscheidungen werden auch psychologische, soziale und religiöse Bedürfnisse des Patienten berücksichtigt. Anhand einer „Checkliste“ werden Ziele für eine möglichst optimale Begleitung definiert und im Verlauf immer wieder abgefragt und überprüft. Hierzu gehören u.a. die Behandlung und Linderung häufiger Symptome wie Schmerzen, Luftnot oder Unruhe. Dabei bietet der LCP dem Behandlungsteam praxisnahe Hilfestellungen, beispielsweise bei der Wahl der Bedarfsmedikation. Weitere Ziele beinhalten u.a. das Absetzen nicht notwendiger Medikamente, die Betreuung der Angehörigen sowie die Benachrichtigung des Hausarztes. Darüber hinaus stehen Informationsbroschüren zur Verfügung, die in Ergänzung zu dem persönlichen Gespräch an Angehörigen weitergegeben werden können.
Seit Mai 2007 wird der Liverpool Care Pathway erstmalig in Deutschland im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg angewendet. Die bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv. Sowohl Ärzte als auch Pflegende berichten, dass durch die Anwendung des LCP eine Professionalität entsteht, die es besser als in der Vergangenheit ermöglicht, mit der konkreten Situation, den Gefühlen und Wünschen des Patienten und der Angehörigen umzugehen. Für das Behandlungsteam entsteht die Notwendigkeit und Möglichkeit, gemeinsam und rechtzeitig darüber zu sprechen, was in den nächsten Stunden und Tagen wichtig ist. Die Symptomkontrolle wird durch die abgesprochene und zeitgerechtere Verordnung und Gabe der Bedarfsmedikation verbessert. Wichtige Schritte, wie z. B. die Einbindung von Angehörigen und die Information und Diskussion mit dem Hausarzt werden berücksichtigt und nicht vergessen. Ziel des Liverpool Care Pathways ist es, nicht nur das praktische Handeln sondern auch die Philosophie im Umgang mit Sterbenden zu verändern. Mit diesem Konzept wird der Sterbephase eine besondere Aufmerksamkeit gegeben und sterbende Patienten umfassender und intensiver betreut und begleitet.
Bei Fragen geben wir gerne unter 0441/236-767 oder info@palliativstation-ol.de weitere Auskunft.
Publikationen
|