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Während meiner Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin nach Brasilien

Ich heiße Teresa, bin 22 Jahre alt und zum 01.10.2007 für die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege von Coesfeld, in der Nähe von Münster, nach Oldenburg gezogen.
Schon als kleines Mädchen war ich in meiner Gemeinde St. Jakobi in der Jugendarbeit aktiv. Seit meinem achten Lebensjahr gehörte ich den Sternsingern an. Wir haben immer Geld für ein Kinderhaus in Brasilien gesammelt. So haben meine Familie und ich Kontakt zu Dom Paulo, dem Bischof von Petrolina und einem Priesteramtskandidat bekommen, der in Rom Theologie studiert hat.
Als uns dann die Nachricht erreichte, dass eben dieser Freund unserer Familie zum Priester geweiht wird, haben wir uns daran gemacht, eine Reise in den Nordosten Brasiliens zu organisieren. Zum Glück wurde ich von der Krankenpflegeschule in meinem Anliegen, den festgelegten Urlaub zu verschieben, tatkräftig unterstützt. Ich weiß, dass dies logistisch nicht ganz einfach ist und bin umso froher sowie dankbar, dennoch diese Möglichkeit bekommen zu haben. Mit uns flogen einige Jugendliche aus der Anna-Katharina Gemeinde Coesfeld nach Brasilien, die ebenfalls in der Jugendarbeit aktiv sind, um auch einige Jugendliche aus Brasilien, die wir beim Weltjugendtag 2005 in Köln kennengelernt haben, zu besuchen. Die Flüge haben wir selber bezahlt. In Petrolina haben wir in Gastfamilien gewohnt und der Bischof hat unser Programm, das hauptsächlich aus der Besichtigung von Projekten bestand, organisiert. Ein Projekt haben wir in Catalunha besucht, einer Landlosensiedlung, in der wir vier Tage waren.
In Brasilien leben ca. 1/3 aller Menschen unter menschenunwürdigen Lebensbedingungen. Die Schere zwischen arm und reich ist sehr groß. Die Reichen produzieren hauptsächlich für den Export und die Armen besitzen kein Land. Viele dieser Armen besetzen illegal Land von Großgrundbesitzern in der Hoffnung, dass diese es dulden.
Leben die Menschen dort zwei Jahre, kauft der Staat ihnen das Land und verteilt es in Parzellen an die Landlosen. Außerdem gewährt er ihnen einen Kredit von ca. 2500€, die sie in 10 Jahren zinslos zurückzahlen müssen, um Häuser zu bauen. Ca. 350.000 Menschen leben in solchen Siedlungen. Viele andere warten noch auf die Unterstützung vom Staat. Diese Siedlungen sind sehr arm. Es gibt häufig kein fließendes Wasser und große Probleme mit der Trockenheit, Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Drogen und Prostitution, auch von Kindern. Wir haben viele Mädchen gesehen, die sehr früh schwanger geworden sind, obwohl es auch Frauen gibt, die Aufklärungsarbeit leisten.
Es gibt eine öffentliche Gesundheitsversorgung, die jedoch nur von der ärmeren Bevölkerung in Anspruch genommen wird. Die öffentlichen Krankenhäuser sind räumlich und materiell schlecht ausgestattet. Die Landbevölkerung ist meist unterversorgt. Reiche Menschen und die Mittelschicht leisten sich private Dienstleistungen, deren Krankenhäuser von der Ausstattung mit unserem Haus –dem Evangelischen Krankenhaus Oldenburg- zu vergleichen sind.
Von Catalunha aus sind es 50 km bis ins nächste Krankenhaus. Einen Arzt gibt es in der Siedlung nicht. Vielen ist auch die Anfahrt bis ins nächste Dorf zu teuer, um einen Arzt aufzusuchen, der dort 3x in der Woche arbeitet. Deshalb ist die Gesundheitsfürsorge “Agente de Saude” besonders wichtig. Ausschließlich Frauen begleiten Frauen während der Schwangerschaft und versorgen die Kinder nach der Geburt, obwohl sie keine Ausbildung zur Hebamme haben; häufig nicht einmal die Qualifikation zur Krankenschwester. Außerdem führen sie einfache Untersuchungen wie Blutdruck messen durch.
Sie leisten Präventionsarbeit, verteilen Kondome und Aufklärungs-broschüren an die Jugendlichen.
Der Staat unterstützt besonders die Armen nicht, deshalb ist die Hilfe der Kirche so wichtig.
Um den Menschen zu zeigen, dass wir nicht nur gucken, sondern auch mit anfassen möchten, haben wir beim Bau einer Bäckerei mitgeholfen, in der später Frauen arbeiten können, um den Familienunterhalt zu gewährleisten. Der erzielte Gewinn der Bäckerei kommt dann einem Kinderhaus zugute, in dem Kinder wie in einer Kindertagesstätte betreut werden.
Ich habe sehr viele Erfahrungen gesammelt und sehe nun vieles anders, besonders die Fröhlichkeit der Menschen war wirklich ansteckend, auch wenn sie zum Großteil sehr große Entbehrungen auf sich nehmen müssen, da sie sich für ihre Kinder ein besseres Leben erhoffen. Mich werden meine Eindrücke sicher den Rest meiner Ausbildung begleiten –insbesondere dann, wenn wir über Kleinigkeiten klagen, werden ich an die Situationen dort denken. |
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